Pumpe auf dem Prüfstand bei KSB Frankenthal Pfalz

Happy End um Mitternacht

Wenn bei KSB eine Pumpe geprüft wird, legt Uwe Baier eine Nachtschicht ein. Diesmal testet er eine Kesselspeisepumpe für ein Kohlekraftwerk.

Bevor es hektisch wird trinkt Uwe Baier einen Schluck Cola. „Das wird ein langer Arbeitstag“, sagt er und krempelt die Ärmel seines roten Pullovers hoch. Heute muss mal wieder eine Pumpe geprüft werden. Der Industriemechaniker hat das schon oft gemacht. Der 52-Jährige ist ja auch seit 1978 bei KSB. Er ist Pumpenprüfer – und als solcher ein wichtiger Mann im Unternehmen. Von Zeit zu Zeit etwas länger bei der Arbeit zu bleiben macht ihm nichts aus. „Dafür kann ich ja morgen ausschlafen. Und nachts ist es hier so ruhig und friedlich“, sagt er und schaut in den Abendhimmel.


Gleich wird er mit seinem Arbeitskollegen Ralf Kirsch die mit dem Kunden vereinbarten Parameter einer Pumpe prüfen. „Wir überprüfen hydraulische Werte wie Menge, Förderhöhe und Leistung. Außerdem berechnen und überprüfen wir den Wirkungsgrad, testen die Mechanik, beobachten ob Reibungen entstehen oder vielleicht irgendwo eine undichte Stelle ist“, erklärt Uwe Baier. Der Kunde ist in diesem Fall die Saudi Electric Company (SEC). Die zu prüfenden Pumpe CHTD 6/6 wird in Saudi-Arabien in einem Kohlekraftwerk als Kesselspeisepumpe eingesetzt. Die CHTD 6/6 wiegt 13.100 Kilogramm, ist 3,22 Meter lang, 1,69 Meter hoch und 1,49 Meter breit. Sie muss Temperaturen von bis zu 175 Grad Celsius standhalten und bis zu 1.200 Kubikmeter Wasser pro Stunde Wasser befördern können.


Tests am laufenden Band


Kurz vor dem Prüflauf beginnt es zu regnen. Dicke Tropfen prasseln auf die Blechfassade der Prüffeldhalle. Die Motoren summen, surren und rauschen, es riecht nach Öl. Die CHTD 6/6 steht mitten im Raum. Um sie herum ist eine Hebebühne sowie zahlreiche Euro-Paletten und Regale, die unter anderem mit in Kästen sortierten Wasseranschlüssen, Dichtungen, Rohren, Pressringen und Kupplungen beladen sind. Nun wird die Pumpe getestet. Zunächst in kaltem Zustand, also bei einer Temperatur von 25 Grad Celsius. Das ist der so genannte Kaltlauf.


Bei ihm werden auch die Schwingungen und der Geräuschpegel überprüft. Für den Pegel werden mehrere kleine Mikrofone und Lautsprecher in ein bis zwei Metern Abstand zur Pumpe aufgestellt. Zudem ist die Pumpe an vielen Stellen verkabelt. An ihr sind Widerstandsthermometer und Schwingungsprüfer angebracht. Sie wirkt wie ein Patient auf der Intensivstation. Mit dem Unterschied, dass die Pumpe in einem hervorragenden Zustand ist.


Uwe Baier hat Strom bestellt


Zwei Männer beäugen kritisch, was auf dem 900 Quadratmeter großen Prüffeld geschieht: ein Prüfer des japanischen Herstellers Hyundai Heavy Industries, die das Kohlekraftwerk bauen, und ein Prüfer des saudi-arabischen Kraftwerksbetreibers SEC. Sprachbarrieren gibt es allerdings nicht, die beiden Männer sind aus Hessen und dem Saarland. Sie knipsen zahlreiche Fotos von der Pumpe. Detailaufnahmen hier. Detailaufnahmen dort. Sie dokumentieren den Zustand vor und nach dem Probelauf. Uwe Baier schaut derweil auf seine Armbanduhr.


„Jetzt ist es soweit. Der Strom kommt um 20 Uhr. Ich habe ihn vor drei Tagen bei den Stadtwerken bestellt“, sagt er. Für die heutige Pumpenprüfung benötigen er und seine Arbeitskollegen sage und schreibe 18 Megawatt Strom – also ungefähr so viel Energie, wie zweieinhalb ICE verbrauchen. „So viel kommt ja nicht einfach aus der Steckdose.“ Während draußen die Sonne untergeht, wird in der Prüffeldhalle die Leistung hochgefahren, wie Pumpenprüfer das nennen.


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Bloß kein Risiko eingehen


Nun wird die Pumpe rund anderthalb Stunden heiß gefahren, also auf eine Temperatur von 175 Grad Celsius gebracht. Bei diesem Heißlauf wird die Prüffeldhalle evakuiert und die Türe geschlossen. „Jetzt darf keiner mehr hier drinnen sein. Die Pumpe kann einen Druck von bis zu 500 Bar erzeugen. Außerdem könnte es sehr laut werden, zum Beispiel wenn die Pumpe ein Leck hat. Da dürfen wir kein Risiko eingehen“, stellt Uwe Baier fest und geht zurück in die Leitwarte.


Dort ist er eingerahmt von dickem Panzerglas und schaut hinunter auf die rund 10.000 Quadratmeter große Prüffeldhalle. Die Leitwarte ist sein Revier. Hier arbeitet er schon seit Jahren – und in der langen Zeit ist viel geschehen. „In meiner Abschlussprüfung 1982 habe ich einen Locher von Hand gefeilt. Doch heutzutage muss ich eher Computer bedienen“, sagt er. Uwe Baier ist mit dem technischen Fortschritt mitgewachsen. Nun sitzt er also da in seiner Schaltzentrale.


Sein Blick wandert hin und her zwischen der eine Etage unter ihm verkabelten Pumpe und den vier Monitoren, die auf seinem Schreibtisch stehen. Die Bildschirme quellen über vor Zahlen, hier und dort leuchtet es grün, lila und rot. Die vier Monitore zeigen alle Parameter an, die getestet werden. Im Raum nebenan sitzen die beiden vom Kunden beauftragten Abnehmer ebenfalls vor Monitoren und begutachten die Zahlen und Fakten. Dort können sie die mit KSB vereinbarten Werte nachvollziehen und überprüfen.

Es läuft wie am Schnürchen


Die Spannung ist spürbar. Wird die Pumpe den Belastungen standhalten können? In diesen Augenblicken könnte man eine Stecknadel fallen hören. Doch Uwe Baier sitzt zurückgelehnt in seinem Bürostuhl und nippt erneut an der Cola-Flasche. An seiner Seite: Ralf Kirsch, ebenfalls Industriemechaniker und seit 31 Jahren bei KSB beschäftigt. Zudem tummeln sich zwei Ingenieure der KSB und ein Elektriker in der Leitwarte. Der Elektriker unterstützt Uwe Baier beim Prüfen, die beiden Ingenieure stehen den Abnehmern für Fragen zur Verfügung.

Hans-Jürgen Göbel bei der Vorabnahme für Testlauf der Speisewasserpumpe im Testfeld

Bis hierhin läuft alles wie am Schnürchen. Es gibt keine Rückschläge zu vermelden. Dennoch stehen alle Beteiligten unter Strom. Uwe Baier bleibt jedoch ganz gelassen, Stress scheint er zu absorbieren. Die Pumpe wird schrittweise auf rund 175 Grad Celsius erhitzt, hunderte Kubikmeter Wasser werden durch sie hindurch befördert. Ein harter, rund einstündiger Belastungstest. Kann die CHTD 6/6 mit der Hitze und dem Wasserdruck zurechtkommen? Ist sie dafür gewappnet, als Kesselspeisepumpe eingesetzt zu werden?


Nach wie vor scheint die Pumpe zu halten, was von KSB versprochen worden ist. Damit die vereinbarten Parameter exakt kontrolliert werden können, protokolliert Ralf Kirsch die Prüfergebnisse. Gleich wissen alle Beteiligten, ob der Prüflauf erfolgreich gewesen ist. Um Mitternacht herrscht Gewissheit: Ja, der Prüflauf hat ein Happy End. Die Pumpe ist intakt und bereit für ihren Einsatz. Erleichterung macht sich breit. Hände werden geschüttelt. Kollektives Durchatmen.

Erstmal in Ruhe abkühlen


Doch auch nach dem Test steht noch Arbeit an. Nun sorgt Uwe Baier dafür, dass die Pumpe rund zwei Grad Celsius pro Minute herunter gekühlt wird. Dafür wird das für den Testlauf benötigte Wasser in das neben der Prüffeldhalle stehende Wasserbassin umgeleitet. 1.500 Kubikmeter Wasser befinden sich darin. Hier wird es auf 17 Grad Celsius herunter gekühlt. Dafür sorgen die vielen Rohre, die sich unter dem Prüffeld befinden. Die Rohre bilden einen geschlossenen Wasserkreislauf durch den rund 35.000 Liter Wasser laufen.


Im Prüffeldkeller befinden sich außerdem Antriebseinheit, Aufspannbereich, Versteileinrichtungen, Kalt- und Heißwärmetauscher, Kühlwasserbecken und die zentrale Ölversorgung. Am nächsten Tag wird die Pumpe von Uwe Baiers Kollegen auseinander gebaut. Aber erst muss sie abkühlen. Einige Tage später wird sie gereinigt, lackiert, in Kisten verpackt und für den Versand auf dem Seeweg nach Saudi-Arabien fertig gemacht. Dort wird sie im September dieses Jahres ankommen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst nimmt Uwe Baier noch einen Schluck aus der Cola-Flasche und geht nach Hause.


Bildquelle mit freundlicher Genehmigung der Firma KSB Frankenthal Pfalz


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